g10 Code wird 25: Die Welt kommt nach Haan

Werner Koch bei seiner Dankesrede zur 25-Jahr-Feier von g10 Code

Eine Jubiläumsfeier für ein Unternehmen, das Verschlüsselungssoftware entwickelt: Es gibt Orte, an denen man eine solche Party erwartet. Haan gehört eher nicht dazu. Nicht weil Haan irgendetwas falsch machen würde – Haan liegt zwischen Düsseldorf und Wuppertal und tut das mit beachtlicher Gelassenheit – sondern weil man bei "25 Jahre g10 Code" instinktiv an leise tuckernde Serverräume denkt, an Menschen, die Kaffee oder Club-Mate trinken und dabei schweigen, weil Schweigen bekanntlich nicht abgehört werden kann.

Stattdessen: das Roulez Rouge in Haan. Hohe Rundbogenfenster. Backsteinwände. Ein Kronleuchter, der aussieht, als hätte jemand eine mittelalterliche Burg mit einem Designerstudio kurzgeschlossen. Blaues Uplighting, roter Teppich, und auf dem Beamer – natürlich – GnuPG.com und das Team von g10 Code, samt Bürohund und den Maskottchen der Open-Source-Welt, die das alles mit der Würde betrachteten, die Maskottchen nun einmal haben.

Der Abend begann, wie solche Abende beginnen sollen, mit Werner Koch, der sich bedankte: Bei denen, die von Anfang an dabei waren. Bei denen, die irgendwann dazugekommen sind. Bei denen, die aus Finnland angereist waren, und bei denen, die noch weiter gereist waren – nämlich aus Japan. Das sind viele Flugstunden für eine Party in Haan.

Was man über Public-Key-Kryptografie weiß

Dann: ein Quiz. Rund um GnuPG, rund um Kryptografie, rund um 25 Jahre digitale Selbstverteidigung. Die Mitarbeitenden von g10 Code durften natürlich nicht mitspielen – fair ist fair. Sonst wäre es ja kein Quiz gewesen, sondern eine Vorlesung mit Publikum.

Nebenbei stellte sich heraus, dass Menschen im Roulez Rouge waren, die sich seit zwanzig Jahren nicht gesehen hatten. Zwanzig Jahre. In dieser Community ist das nichts. Der Humor passte noch. Die Gespräche liefen da weiter, wo sie aufgehört hatten. Der Schlüssel zum guten Gespräch war, wie bei GnuPG üblich, bereits im Voraus ausgetauscht worden.

Der Algo-Rhythmus, bei dem jeder mit muss

Irgendwann verwandelte sich das Roulez Rouge. Das blaue Licht wurde pink. Die Kronleuchter-Kerzen wichen grünen LED-Bodenlichtern. Doc Martin & the Martinis betraten die Bühne und spielten Musik, und zwar nicht die Art von Musik, die höflich im Hintergrund bleibt und niemanden stört.

Die Art, die in die Beine geht. Die Art, bei der man plötzlich singt, obwohl man das eigentlich nicht vorhatte. Bei der man irgendwann aufhört, sich zu fragen, ob man tanzen soll, weil man bereits tanzt.

Zu fortgeschrittener Stunde: Line Dance.

Bei einer Kryptografie-Party.

In Haan.

Das Universum hat einen Sinn für Humor. GnuPG offensichtlich auch.

25 Jahre – und kein bisschen leiser

Firmenjubiläen erzählen meistens von Zahlen und Meilensteinen. Was dieser Abend erzählte, war etwas anderes: dass hinter g10 Code und GnuPG keine abstrakten Algorithmen stehen, sondern Menschen. Menschen, die sich seit Jahrzehnten kennen, die gemeinsam gestritten und gebaut haben – und die aus Japan und Finnland anreisen, wenn es etwas zu feiern gibt. In Haan.

Und die, wenn die Band gut genug ist, die Arme in die Luft reißen.

Das ist kein schlechtes Zeichen für die nächsten 25 Jahre.